Johannes der Täufer (Johannes Baptista)

Namenstage: Johannes, Jan, Jens

Funktion: Heiliger, Bußprediger, Prophet, Vorläufer Jesu Christi, Märtyrer, Kanonheiliger

Gedenktag: 24. Juni

Patronat: Burgund, Provence, Amiens, Malta, Florenz; der Karmeliter, Malteser (Johanniterorden), Schneider, Weber, Gerber, Kürschner, Färber, Sattler, Gastwirte, Winzer, Böttcher, Zimmerleute, Architekten, Maurer, Steinmetze, Restaurateure, Kaminkehrer, Schmiede, Hirten, Bauern, Sänger, Tänzer, Musiker, Kinobesitzer, Abstinenzler; der Lämmer, Schafe, Haustiere; der Weinberge; gegen Alkoholismus, Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Angstzustände, Epilepsie, Krämpfe, Heiserkeit, Kinderkrankheiten, Tanzwut; gegen Hagel

Der letzte große Prophet der Bibel ist Johannes der Täufer, der nach der Heiligen Schrift etwa ein halbes Jahr vor Jesus Christus als dessen Vetter geboren wurde. Sein Vater war der hl. Zacharias, seine Mutter die hl. Elisabeth; als Geburtsort wird das Dorf Ain Karim in der Nähe von Jerusalem vermutet. Vor der Geburt des Johannes soll seinem Vater Zacharias vom Erzengel Gabriel geweissagt worden sein, dass ihm ein Sohn geboren werde. Als dieser Zweifel zeigte, wurde er von dem Engel mit Stummheit geschlagen und erhielt seine Stimme erst wieder, um nach der Geburt in Lobgesang auszubrechen (Lukasevangelium 1, 67–79).

Der Name Johannes war der hl. Elisabeth während der Schwangerschaft eingegeben worden. Etwa im Jahr 29 n.Chr. trat Johannes erstmals als wandernder Bußprediger in Erscheinung, u. a. an den Ufern des Jordan. Hier verkündete er die Ankunft des ersehnten Messias, er nannte sich selbst die »Stimme eines Rufenden in der Wüste« (Johannesevangelium 1, 23 ff.), vielleicht in Anlehnung an die Herolde, die ihren adligen, ihnen folgenden Herren den Weg zu bereiten hatten. Johannes rief seine Zuhörer zur Buße auf und taufte sie im Jordan.

Auch Jesus kam an die Ufer des Jordan und ließ sich von Johannes taufen; dieser erkannte ihn als den Messias (Lukasevangelium 3, 21; Matthäusevangelium 3, 13 ff.; Markusevangelium 1, 9 ff.). Jesus hat offenbar viel von dem Täufer gehalten; er sagte selbst: »Unter den von der Frau Geborenen ist kein Größerer als Johannes der Täufer« (Matthäusevangelium 11, 11).

Es ist möglich, dass Johannes Mitglied der Sekte der Essener war. Wie lange er seiner Tätigkeit als Prediger und Täufer nachging, ist nicht gewiss. In der Heiligen Schrift wird erzählt, dass ihn Herodes Antipas, Tetrarch (Vierfürst) von Galiläa und Peräa, verhaften ließ. Johannes hatte ihm vorgeworfen, dass er mit Herodias, der Frau seines Stiefbruders, eine ehebrecherische Verbindung pflege. Ob das der Grund für die Verhaftung war oder die Tatsache, dass Johannes eine immer größere Zahl von Anhängern um sich scharte, ist nicht zu klären. Auf jeden Fall hatte Johannes den Zorn der Herodias auf sich gezogen, was ihm zum Verhängnis werden sollte: Sie besprach sich mit ihrer Tochter Salome, und als diese vor dem entzückten Herodes einen Tanz vorführte und als Belohnung von diesem einen Wunsch versprochen bekam, verlangte sie das Haupt des Johannes – und bekam es, gereicht in einer Schüssel.

Der Leib des Johannes wurde von seinen Anhängern vermutlich in Samaria begraben. Hier entstand im 4. Jahrhundert ein Kloster, im 12. Jahrhundert ließen die Kreuzfahrer eine große Kirche erbauen.

Die Verehrung des Johannes als Heiligen setzte früh ein. Gefeiert wurde das Fest seiner Geburt am 24. Juni, also genau ein halbes Jahr vor dem des Christus. An diesem Tag finden auch heute noch die Johannisfeste statt. Ganz ähnlich werden die Begriffe »Johannisfeuer« und (das eigentlich heidnische) »Sonnwendfeuer« verstanden: Der Geburtstag des Johannes kündigt an, dass von nun an die Tage kürzer werden, der Geburtstag Jesu dagegen verkündet das Gegenteil. Die Bemerkung des Johannes »Er muss wachsen, ich muss kleiner werden« (Johannesevangelium 3, 30) kann sowohl in Bezug auf die zu- bzw. abnehmende Länge der Tage als auch auf die Bedeutung der beiden Menschen gedeutet werden.

Johannes ist Kanonheiliger, d.h. ein Heiliger der katholischen Kirche, dessen Name im Messkanon, dem Hochgebet, genannt wird.

Darstellung: als hagerer Asket in Fellkleidung; in Szenen seiner Kindheit; bei der Taufe Jesu im Jordan; in der Szene seiner Enthauptung oder sein abgeschlagener Kopf auf einer Platte oder in einer Schale (Johannesschüssel), die Salome hält oder die ihr überreicht wird

Attribute: Kreuzstab, Schriftband »Ecce Agnus Dei« (»Seht das Lamm Gottes«), Lamm (Sinnbild für Jesus Christus), Taufschale

 

Quelle: Herder-Verlag

Dieser Text ist dem "Lexikon der Heiligen und Namenstage" entnommen. Albert Urban (Hg.), Herder-Verlag, Freiburg, 2010