Die Herz-Jesu-Kirche in Singen am Hohentwiel

Unsere Pfarrkirche hat in der Zeit ihrer vergleichsweisen kurzen Geschichte (seit 1909) trotzdem sehr viel erlebt und gesehen. Ein Besuch lohnt sich immer, egal, ob man am Werktag dem Krach der Stadt für ein paar Minuten entfliehen möchte, oder, ob man am Hochfest zusammen mit der gesamten Kirchengemeinde Singen eine der Orchestermessen erleben möchte. Bei allem muss klar sein, dass ein Gebäude an sich nur eine leere Hülle ist. Belebt wird unsere Kirche erst durch die Menschen, die in ihr arbeiten, beten, feiern und sicherlich auch oft trauern. Das alles gehört zum Leben, wie unser Glaube. Doch solche Orte wie unsere Pfarrkirchen und die damit verbundenen Begegnungen und Chancen für unser Leben müssen meist erst entdeckt werden, weshalb wir jedem ein Herzliches Willkommen aussprechen, der sich für unsere Pfarrkirche interessiert. An dieser Stelle sei den Interessierten auch der Kirchenführer der Kirchen und Kapellen in Singen ans Herz gelegt, die im Pfarrbüro für wenig Geld zu erhalten ist.
  
  
 

Die Patrone unserer Pfarrkirche sind der heilige Thomas, der heilige Josef und das heiligste Herz- Jesu. Die Herz-Jesu- Verehrung ist eine besondere Frömmigkeit der katholischen Kirche, in deren Mittelpunkt die Liebe Christi steht, die durch sein Herz symbolisiert wird. Wie wichtig das Patronat für unsere Pfarrei ist, sieht man jährlich im Juni bei unserem Patrozinium, das feierlich mit Festgottesdienst und anschließendem Pfarrfest mit Musik und gutem Essen im Garten von St. Anna begangen wird.
 

Die Ansiedlung der Eisenbahn und die damit florierende Industrie bewirkten in Singen einen enormen Einwohnerzuwachs. Zu Beginn des 20.Jh. wuchs unsere Stadt so schnell, dass binnen weniger Jahre neue Viertel und Stadtgebiete entstanden. Dem damaligen Stadtpfarrer August Ruf blieb nichts anderes übrig, als eine neue Kirche zu bauen, da in der alten Pfarrkirche von St. Peter und Paul sonntags mehrfach die Messe gelesen werden musste, um alle Katholiken seelsorgerisch versorgen zu können. Als die Fundamente und der Sockel im Mai 1909 soweit fertig waren, wurde die Feier der Grundsteinlegung mit Prozession von der alten Pfarrkirche zur Baustelle begangen. Im September 1911 war der Kirchenneubau vollendet und konnte durch den Freiburger Erzbischof Thomas Nörber geweiht werden.
1921 wurde Singen in zwei Pfarrgebiete geteilt, östlich der heutigen August-Ruf-Straße entstand die Kuratie Herz-Jesu; mit der Seelsorge wurde der spätere Dekan Gottfried Kaiser betraut. 1934 errichtete Erzbischof Konrad Gröber die Pfarrei Herz-Jesu.
 

1909: Grundsteinlegung im Mai 1909
1911: Erdbeben beschädigt im Juli 1911 den Kirchenneubau
1911: Einweihung am 24. September 1909
1921: Aufteilung der Stadt in zwei Pfarrbezirke; Entstehung der Kuratie Herz-Jesu
1934: Errichtung der Pfarrei Herz-Jesu durch Erzbischof Konrad Gröber
1949: Entstehung der Glocken in der Glockengießerei Albert Junker (Brilon im Sauerland)
1958/59: Kirchenrenovation unter Dekan Kaiser
1978: Kirchenrenovation von 1978 bis 1981 mit Neubau der kleinen Chor-Orgel und der großen Emporenorgel und Neuausstattung des Innenraumes mit Werken von Emil Wachter und Klaus Ringwald
 

Innen wie außen gibt es an der Herz-Jesu-Kirche viel zu sehen. Die baugeschichtliche Stilrichtung, in der sie einzuordnen ist, nennt man Neoromanik, eine Erscheinung des Historismus. Der 54 m hohe Kirchturm ist seit über 100 Jahren ein eindrückliches Zeichen gelebten Glaubens in unserer Stadt.
Der Innenraum der Kirche ist Spiegel von ganz unterschiedlichem und sich widersprechendem Zeitgeschmack. Die Kirche war ursprünglich sehr kontrastreich ausgemalt. In der Vorhalle über der Eingangstüre befand sich ein großes Gemälde. Jugendstilornamente, viele Schriften und auch Engelsfiguren, Wappen usw. zierten Decken und Gewölbe. Säulen, Pfeiler und Bogen wurden durch eine hell-dunkle Quadermalung überbetont. Die Wände hatten eine Bemalung, die einen halbhohen Vorhang vortäuschen sollte. All dieser Schmuck wurde als drückend empfunden und verschwand fast vollständig bei der Renovation, die unter Dekan Kaiser (1958/59) durchgeführt wurde.
Im Inneren wurde die Kirche während drei Renovationen stark verändert. Nach der Bombardierung im zweiten Weltkrieg, mehreren Beschädigungen durch Erdbeben und den damit einhergehenden Instandsetzungen, aber auch durch Veränderungen in der Liturgie (2. Vatikanisches Konzil), präsentiert sich unsere Pfarrkirche in völlig anderer Gestalt, als vor 100 Jahren. Vor allem zu erwähnen ist die Renovation der Kirche zwischen 1978 und 1981.
 

Die beiden Künstler Emil Wachter aus Karlsruhe und Klaus Ringwald aus Schonach waren bei der Renovation (1978-1981) mit der Neugestaltung des Innenraumes beauftragt. Klaus Ringwald schuf die Bronzearbeiten im Chorraum und Emil Wachter die Teppiche und Fenster in der Apsis, die Teppiche in den Seitenschiffen, die Fenster in der Vorhalle und in der südlichen Turmkapelle. Großartige Arbeiten entstanden, die das Gemeinschaftsgefühl in der Pfarrei stärkten. So waren viele Pfarreimitglieder beim Herstellen der Teppiche mit Emil Wachter dabei und hatten somit direkten Anteil an der Neugestaltung und waren fest verbunden mit ihrer Pfarrkirche.
 

Die Hauptorgel wurde 1988 durch Josef Weimbs Orgelbau GmbH, Hellenthal, erbaut.
Außer dem Prospektregister Principal 8' und der Octave 4' des Hauptwerks wurden alle Register in der 16'-, 8'- und 4'-Lage aus der Vorgängerorgel von Friedrich-Wilhelm Schwarz (op. 211, 1925) übernommen.
2002 wurde das Instrument von Orgelbau Lenter GmbH, Löchgau, ausgereinigt. Dabei wurden einige Register umgestellt und das Instrument neu intoniert. Im Zuge der Innenrenovierung der Herz-Jesu-Kirche wurde die Orgel 2010 durch Orgelbau Hess, Malterdingen, ausgereinigt und technisch revidiert.
Die Orgel verfügt über 34 klingende Register und hat mechanische Spiel- und Registertraktur.
 

Die Chororgel wurde 1986 durch Josef Weimbs Orgelbau GmbH, Hellenthal, erbaut. 
2002 wurde das Instrument von Orgelbau Lenter GmbH, Löchgau, ausgereinigt. Dabei wurden wie bei der Haptorgel einige Register umgestellt und das Instrument neu intoniert. Im Zuge der Innenrenovierung der Herz-Jesu-Kirche wurde die Orgel 2010 durch Orgelbau Hess, Malterdingen, ausgereinigt und technisch revidiert.
Die Orgel verfügt über 9 klingende Register und hat mechanische Spiel- und Registertraktur.
 

Andere „Musikinstrumente“ sind unsere Glocken, die ca. 40m über dem Kirchplatz in der Glockenstube unseres Kirchturms hängen. Sie wurden 1949 in Brilon im Sauerland von Albert Junker in der sog. Briloner Sonderbronze gegossen. Die Herz-Jesu-Glocke wiegt 2630 kg und ist die größte Glocke in Singen. Der Stundenschlag auf die Glocken wird von einem mechanischen Uhrwerk getätigt, das 1911 von der Stadtgemeinde Singen gestiftet wurde und dank zuverlässiger und nahtloser Pflege seinen Dienst bis zum heutigen Tag tut, um den Bürgern harmonisch zu verkünden, was die Stunde geschlagen hat. Im Turm steht auch die Karfreitagsrätsche, die von Gründonnerstag bis Ostersonntag die verstummten Glocken ersetzt. Das Karfreitagsrätschen hat in Singen eine lange Tradition. Im Kirchturm von St. Peter und Paul steht die alte Karfreitagsrätsche von 1869. Brauch neueren Datums ist das Turmblasen im Advent. An einem Samstag in der Adventszeit spielt jedes Jahr ein Blechblasensemble Weihnachtslieder in der Glockenstube, damit die Besucher des Wochenmarkts merken, dass Weihnachten nicht mehr weit ist.